Atmen, Fühlen, Meditieren, Heilen

OT/ISHU: Nachdem du bereits Studien zur Wirkweise der Dynamischen Meditation und der Kundalini vorgelegt hast beschäftigst du dich jetzt mit Manish und seiner Methode des Heilens. Wie kam es zu dieser Studie?

 

Ich habe Manish 2012 kennen gelernt. Er lud mich damals ein, bei einem seiner Meditations-Camps die Ergebnisse meiner Studie vorzustellen. Bei dieser Gruppe und war ich sehr beeindruckt, wie Manish den Teilnehmern die Dynamische Meditation vermittelte. Von der Forschungsseite interessiert es mich bis heute, herauszufinden, wie wichtig die Person ist, die die Meditation anleitet und begleitet. Nicht im Sinne einer technischen Erläuterung, sondern, mehr was die Übertragung eines Spirits, des Feuers der Meditation angeht. Mir fiel auf, dass in den Gruppen von Manish  sehr intensiv meditiert wird. Das Feld, das er durch seine Präsenz und sein Bewusstsein eröffnet, ist so einladend, warm und energetisch aufgeladen, dass sich dem kein Teilnehmer entziehen kann. Dabei ist die Dynamische Meditation eine wichtige Säule in seinen Gruppen. Er leitet sie immer ausführlich an und macht das jeden Tag anders. Die zweite Säule ist die therapeutische Atemtechnik „Energetic Breathing®“, die Manish entwickelt hat. Ganz wesentlich für seine Heilarbeit ist die Karthasis, die es den Teilnehmern erlaubt, ihre Emotionen auszudrücken, bzw. emotionale Knoten zu lösenManish bat mich, den Prozess seiner 20tägigen Basisausbildung „Energetic Breathing®“ und mehrerer Aufbauseminare zum „Authentic Healer“ wissenschaftlich zu begleiten. Die entsprechende Studie liegt jetzt vor. An ihr haben die 24 Teilnehmer der Basisausbildung teilgenommen. Darüberhinaus habe ich auch die Erfahrungen weiterer 24 fortgeschrittener Teilnehmer mit einbezogen.

 

OT/ISHU: Wie hast du die Forschung angelegt?

 

Zunächst war es Manish wichtig, dass ich auch selber durch den gesamten Gruppenprozess gehe. Und natürlich ist es sehr aufschlussreich und wissenschaftlich reizvoll, den eigenen Prozess zu beobachten, das Gruppengeschehen nicht aus den Augen zu verlieren  und das selber durch eigenes Erleben mit dem der anderen zu reflektieren. Für die Studie habe ich auf einen bewährten Methodenmix zurückgegriffen: U.a. den Meditationseffektfragebogen zugrunde gelegt, den ich auch für die Dynamische und Kundalini verwendet habe. Ich habe diesen Fragebogen für das Energetic Breathing® modifiziert, um herauszufinden, inwieweit sich die Teilnehmer auf den Atemprozess einlassen können. Zusätzlich habe ich erfasst, ob Teilnehmer chronische Krankheiten haben und ob sie Medikamente nehmen. In der Ausbildung waren einige dabei, die schwerere gesundheitliche Probleme haben und dennoch überaus aktiv an den Übungen teilgenommen haben. So zum Beispiel eine Teilnehmerin, die Multiplis Sklerose hat und dennoch regelmäßig an allen Übungen (der Dynamische,n Atemübung, Gruppensitzung u.a.) teilnahm.

 

Zusätzlich zu den Fragebögen habe ich Einzel-Interviews mit den Teilnehmern geführt, um ihr persönliches Empfinden noch genauer zu erfassen. Wichtig fand ich auch meine eigene Beobachtung als Teilnehmerin in der Ausbildung. Ich hatte ja schon viel an mir gearbeitet und erwartete insofern eigentlich nicht, dass sich für mich noch ganz neue Aspekte ergeben könnten. Tatsächlich war es dann aber so, dass ich lange verschüttete Wunden ganz neu und anders wahrnehmen und heilen konnte. So konnte ich auch für mich wieder einmal das große Heilpotenzial der Dynamischen und das der Atemtechnik Energetic Breathing®erfahren. Im Vertrauen auf das Feld der Achtsamkeit und Liebe, das in so einer Gruppe entsteht und den Lehrer, der sie leitet, eröffnet sich für die Teilnehmer ein spiritueller Raum der Weite, Offenheit, Leere und Fülle. So kann man für sich selbst gehen; auf natürliche Weise an den Punkt gelangen, wo man alte Gefühle, Wut, Trauer, Frust, Enttäuschungen usw. zulassen und auch aushalten kann. Auf diese Weise kann Selbstheilung stattfinden: Du heilst dich, indem du deine Wunden anerkennst.

 

OT/ISHU: Was genau beinhaltet die „Methode Manish“?

 

Tatsächlich umfasst die Methode Manish mehr als das Energetic Breathing®“ plus der Dynamischen Meditation. Diese beiden Techniken sind von einer tiefen Bewusstseinsarbeit ummantelt. Für diesen Transformationsprozess kultivieren die Teilnehmer eine offene innere Haltung, das „Empfangen“. „Lieben heißt Empfangen“, sagt Manish. Dazu gehört es sich konsequent, sowohl negative als auch positive Ereignisse des Lebens ins Alltagsbewusstsein zu holenWerden diese Erfahrungen angenommen, klingen sie in der Regel nach und nach ab und machen Platz für neue Erfahrungen. Da Manish die Fähigkeit hat, die Chakren der Teilnehmer sehen zu können, kann er auch genau wahrnehmen, wo der Einzelne gerade ist. Er kann sehen, bei wem es gerade kocht – und da geht er dann hin und unterstützt den Einzelnen. Manish merkt genau, wenn die Gruppe insgesamt reif für einen Sprung ist. Dann hat er die Fähigkeit, die Energie der Gruppe auf eine neue Stufe zu heben. Da beginnt für mich das Mythische. Es ist dieses Gefühl der Verbundenheit – mit mir selbst und darüberhinaus mit der Existenz. In der Meditationsforschung nennt man das eine Gipfel-Erfahrung. Solche starken und unvergesslichen Erlebnisse nehmen die Teilnehmer mit in ihren Alltag. Wer diese Seins-Qualität einmal erfahren hat, wird weiter danach suchen. Deswegen kommen Teilnehmer wieder und schließen an die Ausbildung noch weitere Seminare an. Bis sie irgendwann in der Lage sind, selber so einen Raum für sich zu schaffen.

 

OT/ISHU: Du sprichst von einer mythischen Erfahrung, die schwer in Worte zu fassen ist. Wie aber kann man solche Erfahrungen überhaupt wissenschaftlich erfassen?

 

Seit den 70ern Jahren geht es in der internationale Meditationsforschung darum, solche Erlebnisse wissenschaftlich zu erfassen. In essenziellen Erfahrungen der Meditation wird so etwas wie „eine volle Leere“, tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit wahrnehmbar. Sie gehen mit Entspannung, gesteigerter Zufriedenheit, Fokussierung und Reduzierung der Angst einher. Natürlich ist es schwierig, solche Zustände wissenschaftlich zu erforschen. Die Tendenz geht dahin, wie hier, kombinierte Methoden anzuwenden. Neben der Erfassung durch standardisierte Fragebögen und körperlichen Untersuchungen (Gehirn-Scans, Herz-Kreislauf etc) geht die Forschung immer mehr dahin, dass es die subjektiven Aspekte sind, die wichtig für die Aufschlüsselung solcher Prozesse sind. Ich habe während dieser Ausbildung viermal mit Fragebögen gearbeitet: zum Anfang und zum Ende der Ausbildung und zweimal in der Mitte. Es tauchen auf dem Weg der Meditation immer wieder auch körperliche und mentale Widerstände auf. Anfänger haben oftmals ein Gefühl von Verwirrtheit, Verlassenheit oder Orientierungslosigkeit. Das war jetzt bei der Ausbildung von Manish nicht der Fall, weil alle Teilnehmer bereits Meditationserfahrung mitbrachten. In seiner Ausbildung sind viele Psychologen, Heilpraktiker und Ärzte, die bereits in ihrer Praxis Meditation anwenden.

 

OT/ISHU: Wenn diese Teilnehmer schon viele Erfahrungen mitbringen, kann man dann bei ihnen trotzdem einen Vorher / Nachher-Effekt feststellen?

 

Ja, die innere Haltung zur Meditation und zum eigenen Leben verändert sich. 80 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie ihr Berufsfeld erweitern wollen und nun auch auf einer spirituellen Ebene tätig werden wollen. Die Ausbildung besteht aus verschiedenen Modulen. Bis zum dritten Modul nehmen die meisten Teilnehmer die Ausbildung als Selbsterfahrung wahr. Dann aber kommt bei ganz vielen der Wunsch, diese Erfahrung auch nach außen zu tragen. Ich habe die Teilnehmer auch gefragt, ob und wie sie die in der Gruppe erlebten meditativen Zustände halten können, wenn sie wieder zuhause sind. Da gibt es Unterschiede: ein Teil der Teilnehmer versucht die neu gemachten Erfahrungen in ihre Umgebung (Freunde, Arbeit, Familie) zu tragen. Ein anderer Teil ist damit viel zurückhaltender. Was alle gemeinsam haben: Meditation wird ein fester Bestandteil ihres Alltags, wie die regelmäßige Teilnahme an Angeboten „ihres“ Lehrers Manish. Bei vielen verändert sich der Freundeskreis. Teilweise wollen die alten Freunde den Weg nicht mitgehen. Bei den Teilnehmern haben sich neue Räume eröffnet; und ihre Bereitschaft, sich selbst zu erfahren, den eigenen Schatten anzusehen oder Hemmungen im Selbstausdruck zu überwinden, ist größer geworden. Das finden nicht alle Freunde gut, viele wollen lieber auf dem gewohnten Level bleiben.

 

OT/ISHU: Gibt es auch eine Veränderung in der Lebenszufriedenheit?

 

Ja, eine deutliche Steigerung der Lebenszufriedenheit ist nachweisbar. Insgesamt wird die Einstellung zum Leben positiver und auch ein schweres Schicksal wird eher angenommen. Bei vielen geschieht ein Wechsel von einer Fokussierung auf das Negative und Selbstmitleid hin zu einer annehmenden mitfühlenden Haltung: „Es ist so und was ist jetzt?“ Die Bereitschaft sich auf die Gegenwart mit all ihren Facetten voll einzulassen wird größer.

 

Im dritten Modul der Ausbildung gibt es noch einmal eine wichtige Veränderung. Da geht es einerseits darum, wie wir uns selber heilen können und dann in einem zweiten Schritt, wie wir das nach außen tragen können. Es geht also auch um eine gesellschaftliche Veränderung. Zunächst aber geht es darum, „authentisch“ zu werden: Du legst das lächelnde Gesicht ab, wenn dir nicht nach Lächeln zumute ist. Sich selber heilen, heißt auch, durch den eigenen Schlamm zu gehen. Das wird erleichtert durch das Feld des Vertrauens, was in der Gruppe entsteht. Die Öffnung fällt leichter, weil du siehst, dass auch die anderen Teilnehmer ihre Wunden und Verletzungen haben und daran arbeiten. Und mit Manish gibt es jemanden, der einen so entstehenden Raum halten kann. Durch diesen Prozess der Selbstannahme, des Authentisch-Werdens wird eine andere Essenz erreicht und dann geht es darum, die nach außen zu tragen. Man könnte das als Bodhisattva-Ideal bezeichnen, d.h. das Erlangte wird zum Wohl der Menschheit eingesetzt. Manish stellt in seinen Gruppen immer wieder heraus, dass Osho der Menschheit mit der Dynamischen Meditation ein großartiges Instrument zur Transformation geschenkt hat. Und das jeder Teilnehmer durch die Arbeit an sich selbst einen wesentlichen Beitrag geleistet, eine tiefere spirituelle Dimension in die Welt zu tragen. Darum geht es Manish mit seiner Arbeit: Neben der Selbstheilung tritt das Mitgefühl für Andere, der spirituelle gesellschaftliche Wachstumsprozess. Wir schenken weiter, was wir empfangen haben.