Die Qualität der Einheit und Mitte

Es ist ein Erleben, in dem die Spaltung zwischen dem Beobachter und dem Beobachtetem aufgehoben wird, im seligen Einswerden mit dem was gerade ist – mit dem Augenblick. Die Dynamische Meditation bietet als Methode eine spezifische Art, vom Leben zutiefst berührt zu werden, dass man in der jeweiligen Erfahrung „aufgeht“ und die Totalität des Moments erfährt – das ist meditatives Sein. Bei entsprechender Intensität der meditativen Erfahrung spricht man von einem ozeanischen Einswerden, das uns ein Urgefühl des Heil-Seins, (im Sinne von Ganz-Sein) verschafft und uns Erdung, Geborgenheit und Vertrauen auf der spirituellen Ebene vermittelt.

Diesen für die Meditation typischen Wesenszug der Vereinigung dialektischer Gegensätze sind durch wissenschaftliche Ergebnisse der Wirkungsforschung belegt. So wurde bei Messungen der Gehirnstromaktivität (EEG) von Meditierenden der Dynamischen Meditation von Osho als meditationspezifisches Phänomen das gleichzeitige Vorhandensein von Wellenmustern, die für das Schlafbewusstsein typisch sind, mit denen des Wachbewusstseins konstatiert. Normalerweise kennen wir die von einander getrennten Zustände von Wachheit und Schlaf. In der Meditation ist nicht nur die Gleichzeitigkeit der für Wachheit und Schlaf zuständigen typischen Wellenmuster gegeben, sondern auch eine Synchronizität der vorhandenen Wellenformen, d.h. die Tendenz aller Bereiche des Gehirns, zu harmonisieren und im Gleichklang zu pulsieren.

 

Was sich in der naturwissenschaftlichen Messbarkeit von Gehirnstromwellen zeigt, ist die „Unio Mystica“, die Verschmelzung des „Weiblichen (Yin)“ mit dem „Männlichen (Yang)“. In der meditativen Erfahrung liegt die Durchdringung der männlich-weiblichen Polarität, von „Licht, (Tag, männlich)“ und Dunkelheit, (Nacht, weiblich)“ – in der Erfahrung des „Himmels auf Erden“. Im Laufe der eigenen Meditationspraxis, lernt der Meditierende, den Unterschied zwischen Wach-Schlaf und Meditations- zuständen kennen, den Osho als ein gleichzeitiges Bestehen von völliger körperlicher Entspannung bei höchster geistig seelischer Wachheit bezeichnet. Er nennt das „im Tal des Körpers auf der Höhe des Geistes zu sein.“

 

Die Technik selbst wird häufig bereits für Meditation gehalten – wodurch das Fahrzeug (das Boot, das hilft an das andere Ufer zu kommen) selbst mit dem Ziel (das Ufer) verwechselt wird. Im eigentlichen Sinn will Meditation nichts, sondern beschränkt sich auf die Wahrnehmung der inneren und äußeren Realität. Sie geschieht absichtslos, mischt sich nicht ein, sondern lässt geschehen. Meditation lässt sich nicht durch Logik erklären, unterliegt keiner Dialektik ist Weg zur Mitte und Ganzheit und ist eigentlich unbeschreiblich. Das Wissen um das Paradoxe der Meditation, hat insbesondere im Zen, wo es zum Erreichen eines meditativen Zustandes darum geht, ein Rätsel (Koan) zu verinnerlichen. Der Schüler soll sich, mit seiner ihm im Moment zur Verfügung stehenden Kraft beispielsweise anstrengen, den klatschenden Ton der einen Hand zu hören. Dabei geht es im Kern darum, seine Aufmerksamkeit bewusst zu lenken und den Geist vor Ablenkungen zu bewahren. Die Konzentration auf das Paradoxe

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dieses Geisteszustandes zeigt sich in den „paradoxen“ EEG-Wellenmustern. Dieser Aspekt des meditativen Seins wird sehr klar deutlich in der Dynamischen Meditation. Der strengen Struktur und Konzentration auf unterschiedliche Anforderungen in den fünf Phasen steht ein spielerisches Mitgehen gegenüber. Die Meditation ist abwechslungsreich, bietet in der Ausgestaltung individuelle Freiräume und schließt in der fünften Phase mit einem freudigen Zelebrieren. Durch die bewusste Lenkung auf das gegenwärtige Erleben, die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit des inneren Beobachters über einen längeren Zeitraum, wird die Fähigkeit zu absorbieren, sich ins Tun zu versenken, erhöht. Da die Kultivierung des Zeugen auf eine umfassende ganzheitliche Achtsamkeits- und Wahrnehmungsschulung abzielt, kommt der Meditierende mit seinen teilweise verdrängten subjektiven Erfahrungen in Kontakt, so dass er einerseits damit umgehen lernt und andererseits psychopathologiefördernde Vermeidungsstrategien allmählich fallen lassen kann.

 

Die innere vorurteilsfreie offene und neutrale Einstellung einer auf den Wandel ausgerichteten Wahrnehmung, die Bedeutung von und die Reaktion auf Gedanken und Gefühle, das Erkennen des eigenen Reiz-Reaktions-Schemas und der Ausstieg aus dem Modus des Autopiloten sind dabei Bedingung. Dadurch werden die Affekttoleranz und die Reaktivität der Gegenwart momentaner emotionaler Verfassungen verringert. Diese Erfahrungsmomente führen zu einer Neucodierung vergangenheitsbezogener angstgeleiteter Meinungen und raus resultierendem Vermeidungsverhalten; auch Gefühle werden bewusster und intensiver erlebt. Der Meditierende erfährt eine Neu-Interpretation emotionaler Stimuli, bewertet sie neu und erlebt sie daraufhin nicht mehr als aversiv. Durch diesen besseren Zugang zu den wahrgenommenen Emotionen steigt die Fähigkeit zur Selbstregulierung.

 

Dreh- und Angelpunkt für das Erreichen tiefer Meditationszustände und von Gipfelerfahrungen ist die freiwillige Aufgabe von Kontrolle – und das geht mit dem Vertrauen in die Weisheit des Körpers einher. Dieses „völlige Aufgehen in dem was man tut“ bereitet die Basis dafür. Dieser Kontakt zur eigenen Mitte wird als Kohärenz bezeichnet. Es ist ein Zustand des elektromagnetischen Körperfeldes, indem das ganzheitliche Funktionieren und die optimale Sensibilität, Regulierungsfähigkeit und Abwehrkraft des Organismus gewährleistet ist. Die Dynamische Meditation lässt bei ausreichender Übung Momente erleben, dass es ein volleres Lebensgefühl als unser gewöhnliches, alltägliches gibt und das in jedem das Potenzial zu einer höheren Funktionsweise angelegt ist, die jenseits dessen liegt, was wir allgemein für normal und möglich halten. Die Erfahrung dieser Momente weckt das Bedürfnis nach Entfaltung dieses Potenzials und setzt sie in Gang. Diese Gipfelmomente sind Grenzerfahrungen. Erfahrungen der Transzendenz, die für einen Moment erleben lassen, dass es eine größere Wirklichkeit gibt und werden in der Sprache des Ostens das kurzzeitige „Betreten eines Himmels“ genannt.

 

Der Strom unserer Gedanken formt unser Gehirn, Normierungen, Prägungen, Sozialisationsmuster und Kontrollüberzeugungen wirken auf unser Alltagsbewusstsein. Die dynamische Meditationspraxis formt unser Gehirn, löst emotionale Blockaden, fördert die Körperwahrnehmung, eröffnet neue Denk- und Handlungsräume und Gefühlswelten. Demgemäß lautet die grundlegende Erkenntnis aktueller biophysischer und psychologischer Forschung: „Indem du dein Bewusstsein verändern kannst, kannst du dein Leben transformieren.“ Gestützt auf jüngste Forschungsergebnisse zeigt uns Meditation und Chaos auf, wie wir uns durch die „Dynamische“ von OSHO aktivieren und energetisieren können, um unseren Stresspegel zu senken, unsere Lebensqualität zu erhöhen, um zu erfüllenderen Beziehungen und einem stärkeren Gefühl von innerem und transpersonalem Vertrauen, Akzeptanz und Wert finden.

 

Meditation und Chaos, weist uns einen paradoxen Weg zur Achtsamkeit, wie wir Ruhe, Balance, Weisheit, Gesundheit und Wohlbefinden in unserem Leben erfahren können, und erklärt uns, wie und warum das so ist. 2010 zeigten Dr. Dwariko Pfeifer & Dr. Mike Wolski mittels einer empirischen Studie erstmalig die Effekte der Dynamischen auf Gesundheit, Wohlbefinden, Resilienz, Selbstregulationsfähigkeit, Achtsamkeit und Lebensqualität. Eine zweite Datenerhebung folgte 2012. Nun legt Dwariko Pfeifer eine weitere Auswertung und eine theoretische Durchdringung der Methode vor. Als hilfreich für die Entwicklung eines Verständnisses für die Dialektik der Dynamischen Meditation, deren Wirkung ich seit Jahrzehnten beobachte und schätze, erweist sich dabei der Bezug zur Körperpsycho-, Atem- und Traumatherapie. Als Arzt und Therapeut – insbesondere jedoch als Meditationslehrer empfehle ich die Studie als erkenntnisbringende Ergänzung zur Weiterbildung zum Meditationslehrer, der eigenen Meditationspraxis und als Grundlage für Gesundheitsförderung und Prävention.

(Auszug aus dem Vorwort von Ramateertha)

 

Leseprobe:

Die paradoxe Achtsamkeitspraxis der Dynamischen Meditation erstaunte Kritiker vor fast zwanzig Jahren durch ihre nach außen gerichteten aktiven „lauten“ Phasen. Heute finden sich ihre Anhänger in akademischen Kreisen und Wirtschaftskreisen, in Kliniken, Praxen und Unternehmen. Die Methode selbst überzeugt, mit steigender Tendenz, Kritiker und Skeptiker obwohl paradox durch ihre emotionslösende und achtsamkeitsschulende Wirkung.

 

Sie bietet einen Schlüssel zu einem tiefen Verständnis von Gesundheit und Lebensqualität, das auf einem über den Körper induzierten Erfahrungsprozess basiert. Mittels bewusstem Umgang mit dem Atem und konzentrierter Absorption, befreiendem Ausagieren von Emotionen und Empfindungen, Zentrierung und vertiefter Entspannung im Jetzt, lassen sich veränderte Wachbewusstseinszustände erreichen, in denen die grundlegende Einheit von Leib und Bewusstsein konkret erfahrbar wird.

 

Die Meditationsmethode creiert einen Raum der Stille, der sich um den Übenden ausbreitet und bereichert den Lebensrythmus auf eine paradoxe Weise, die man erst durch die eigene Praxis selbst verstehen lernt. „Hast du das Chaos erst mal herausgeworfen, stellt sich Stille ein.“ (Osho 1988)

 

Die Fokussierung mit der Aufmerksamkeitslenkung auf den Körper, die Emotionen und den Gedankenfluss entspricht einem Feuerwerk von Erfahrungen mit allen Sinnen. Dieses Embodyment auf der körperlichen, psychischen und geistigen Ebene verursacht die Wirkung der Dynamischen Meditationsmethode: Volle Leere, Verbundenheit mit etwas größerem Ganzen und mit der eigenen Kraftquelle, führt in die Stille und Transzendenz. Der Wert dieser Bewegungsmeditation liegt eindeutig in der entspannenden, Körper, Psyche und Geist aktivierenden und emotionslösenden Achtsamkeitsschulung und deren Wirkung. Die Methode erfordert den ganzen Körpereinsatz und wirkt auf den rationalen Geist auf paradox-komplexe Weise. Sie wirkt:

 

1) entspannend, weil die Muskelanspannung nachlässt, die Herzfrequenz und der Blutdruck gesenkt, die Atemfrequenz verlangsamt und die elektrische und die kortikale Aktivität des Gehirns reduziert werden.

 

2) ganzheitlich, weil der Körper, die Psyche und der Geist gleichzeitig mit unterschiedlichen Aufgaben beschäftigt und damit gefordert werden, aus dem gewohnten Muster des Alltagsbewusstseins mit dem Modus des Autopiloten auszusteigen.

 

3) integral, weil während der einzelnen Übungsstunde die Momente personalen und transpersonalen Erlebens von Moment zu Moment, d.h. Phase 1 bis 3 (Weg), zu einem Zustand des Seins (Phase 4) führen und vom jeweils erreichten Gipfel in der Meditationsphase mehr und mehr in das Alltagsbewusstsein integriert werden (Phase 5).

4) paradox, weil die Momente des „Aus-der-Haut-fahrens“ und des „Anders-seins“, mit der freiwilligen Aufgabe von Kontrolle und der Hinwendung zu transpersonalem Vertrauen in diesem „Letting go“ nicht rational verständlich, sondern phänomenaler Natur sind.

 

5) komplex, weil diese Meditation der Bewusstseinserweiterung durch aktive und passive Phasen, der Dialektik zwischen Bewegung und Stille, den Weg und das Sein verändert und vereint. Die Praxis führt Körper, Psyche und Geist zu einem Feuerwerk der Erfahrungen; erzeugt Kohärenz und Glück.

 

6) emotionslösend, weil der Übende über den aktiven Teil der Meditation, insbesondere durch die erste Phase: das chaotische, a-rythmische Ausatmen und die vermehrte Sauerstoffzufuhr, die erforderlichen körperlichen Voraussetzungen schafft, um in der zweiten Phase seinen Emotionen und Gefühlen freien Lauf zu lassen. In diesem „Letting go“ lösen sich Körperpanzerungen, Energieblockaden oder „emotionale Zysten“ (Manish 2013) auf; die Lebensenergie kann wieder frei fließen.

 

7) achtsamkeitsfokussiert, weil die Wahrnehmung in jeder einzelnen Phase auf auftauchende Inhalte, Gedanken, Emotionen, Atem und Körperbefindlichkeiten gelenkt wird und der Meditierende die jeweiligen phasenbezogenen unterschiedlichen Aufgaben als Anker verwendet und den inneren Beobachter kultiviert.

 

Voraussetzung ist die innere Haltung. Die „Arbeit“ des Übenden besteht darin, für den nicht berechenbaren Moment der inneren geistigen Berührung (Phase vier) hingebungsvoll die erforderliche gründliche reinigende Vorbereitung zu treffen. Diese Vorbereitung geschieht auf dem Meditationsweg der ersten drei Phasen über dreißig Minuten, sie ist integraler Bestandteil der aktiven Meditation. In der vierten Phase kann es zu essenziellen transpersonalen Zuständen der Kohärenz kommen. Kohärenz impliziert eine innere Berührung derjenigen Hirnareale, die für die tiefsten Erfahrungen von Verbundenheit zuständig sind, sie werden aktiviert. Denn Bewegung stellt auf der körperlichen, emotionalen und mentalen Ebene eine bewusste und aktive Einmischung in die neurologischen Netzwerke unseres Gehirns dar, dadurch werden wir innerlich berührt. Ein Vorgang, der für die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin zuständig ist und Kohärenz und Glück erzeugt. Den Neurowissenschaftlern zufolge werden dadurch, unter der Voraussetzung regelmäßiger Meditationspraxis, aus zunächst flüchtigen im Zeitverlauf stabile Zustände des Seins. Wissenschaftler, berichten davon, dass Erfahrungen immer gleichzeitig auf der kognitiven, emotionalen und körperlichen Ebene verankert und aneinander gekoppelt werden. (Hüther 2013) Genau dass passiert durch die paradoxe Achtsamkeitspraxis der Dynamischen Meditation. Er steigt zunehmend mehr aus dem Modus des Autopiloten und wird, wie es der Philosophieprofessor und Mystiker Osho es nennt, zum „Herr im Haus“. Er benutzt sein Bewusstsein und seinen Geist und wird nicht von ihm „beherrscht“. Die Neurowissenschaften belegen durch umfangreiche Untersuchungen die normierende Wirkung der Achtsamkeitspraxis auf die Neuroplastizität des Gehirns in deren Mittelunkt dabei die, durch tiefe Meditation erzeugte Synchronisierung beider Hemisphären steht.

Die Dynamische Meditation, ist die methodische Entsprechung der Erkenntnis, dass Erfahrungen immer gleichzeitig auf der kognitiven, emotionalen und körperlichen Ebene verankert und aneinander gekoppelt werden. Sie beseitigt das Chaos im Kopf und bringt Klarheit. Sie entspannt, führt den Übenden in die Mitte, verringert Ängste und macht frei. Ihr therapeutisches Potenzial liegt in der achtsamkeitsschulenden und emotionslösenden Wirkung. Die Praxis verbessert die mentale, als auch die psychische und physische Gesundheit, insbesondere jedoch das Bewusstsein für einen achtsamen Lebensalltag.

 

Die paradoxe Achtsamkeitspraxis der Dynamischen Meditation erstaunt seit fünfzig Jahren durch ihre nach außen gerichteten Phasen und findet heute Anhänger in akademischen und wirtschaftlichen Kreisen, in Kliniken, Praxen. Die Methode selbst überzeugt, mit steigender Tendenz, Kritiker und Skeptiker eben durch ihre paradoxe, emotionslösende und achtsamkeitsschulende Wirkung. Sie bietet einen Schlüssel zu einem neuen Verständnis von Gesundheit und Lebensqualität, das auf einem über den Körper induzierten Erfahrungsprozess basiert. Mittels vertiefter Entspannung, bewusstem Umgang mit dem Atem und konzentrierter Absorption erreichen Meditierende veränderte Wachbewusst- seinszustände, erfahren die grundlegende Einheit von Leib und Bewusstsein und lernen über den Körper ihre innere seelische Seite kennen. Die Dynamische Meditation bereichert die Lebensqualität und den Lebensrythmus auf eine paradoxe Weise, die man erst durch die eigene Praxis selbst verstehen lernt.